Halo Evolutionen
Exklusive Leseprobe


Autor: Marc
7.781 Hits
16. Aug 2010
10:07:11 Uhr

Das Halo-Universum bietet einen nahezu unendlichen Fundus an bislang noch unerzählten Geschichten aus den Tiefen des Alls, wo die Menschheit ums Überleben kämpft. In "Halo Evolutionen" haben sich nun einige Autoren zusammengefunden, um eine kleine aber feine Auswahl dieser vielen Geschichten zu Papier zubringen. Herausgekommen sind dabei 11 Kurzgeschichten basierend auf unsere Lieblings-Videospielreihe, die wir euch anhand dieser exklusiv bei Halo Universe erscheinenden Leseprobe näher bringen möchten. Und ja, zu gewinnen gibt es auch wieder etwas. Aber dazu später mehr...


Halo Evolutionen
Geschichten aus dem Halo-Universum


Inhalt

007 Einführung (Frank O´Connor)
009 Jenseits (Zeichnung: Sparth, Text: Jonathan Goff)
011 Der Ausgestoßene (B. K. Evenson)
061 Nachtreten, wenn´s knallt (Eric Raab)
084 Mitternacht auf der Heart of Midlothian (Frank O´Connor)
110 Dreck (Tobias S. Bucknell)
155 Acheron VII (Zeichnung: Sparth, Text: Jonathan Goff)
157 Kopfjäger (Jonathan Goff)
200 Stumpfe Werkzeuge (Fred Van Lente)
229 Die Mona Lisa (Jeff Vandermeer & Tessa Kum)
369 Symbol (Zeichnung: Robogabo, Text: Jonathan Goff)
372 Palasthotel (Robt McLees)
396 Menschliche Schwäche (Karen Traviss)
433 Verbundenheit (Zeichnung: Robogabo, Text: Jonathan Goff)
435 Das unmögliche Leben und der mögliche Tod des Preston J. Cole (Eric Nylund)
503 Die Rückkehr (Kevin Grace)
529 Aus dem Büro von Dr. William Arthur Iqbal
534 Danksagung
535 Über die Autoren und Zeichner
538 Übersetzernachweis


Einführung
Wieso eigentlich Kurzgeschichten

Weil das HALO-Universum nahezu ebenso riesig und grenzenlos ist wie die Realität. Und weil HALO-Fans ein breites Spektrum an Facetten und Erlebnissen aus den Spielen und dem erweiterten Universum mögen. Tatsächlich lässt sich kaum ein HALO-Fan mit dem anderen vergleichen. Es gibt echte Hardcore-Zocker, die nur eine bestimmte Spielweise auf einer bestimmten Karte mit einer bestimmten Waffe bevorzugen. Dann gibt es Fans, die von den taktischen Heldentaten der UNSC-Kommandeure absolut begeistert sind; Spieler, die die größten Geheimnisse einer längst vergessenen Zivilisation erforschen wollen; Fans, die sich am liebsten in den Rüstungen der OAST aus dem Orbit stürzen, und Spieler, die die gesamte Saga durch das Visier des Masterchiefs erleben möchten. Unzählige Fans wollen nicht jahrelang darauf warten, dass sie mit einem weiteren Roman endlich ihren ersehnten nächsten HALO-Kick bekommen; ein weiteres glitzerndes Steinchen im Mosaik der Welten, die mit HALO erschaffen wurden. Kurzgeschichten gestatten es uns, all jene Facetten und Erlebnisse auf einmal zu präsentieren. „Wie eine Schachtel Pralinen“, um ein Forest Gump-Zitat zu bemühen.
Wir sind hautnah dabei: auf der Brücke bei Vice Admiral Coles letzter Mission oder in einem verlassenen Raumschiff, während das Leben langsam aus unserem Körper weicht. Wir können in den klobigen Schuhen eines Elites durch die Wüste einer fernen Welt wandern; Cortana lässt uns einen Blick auf den erschreckenden, unersättlichen Appetit des Graveminds werfen − und wir können all dies in einem einzigen Buch erleben. Der erste Sammelband, den ich gelesen habe, hieß Great Space Battles. In ihm waren Kurzgeschichten versammelt, die von Zeichnungen illustriert wurden, die seltsamerweise keinerlei Bezug zu den Storys hatten. Mit den verschiedenen Geschichten wurde ein ganzes Universum erschaffen. Ich fand, dass es eine geniale Art und Weise war zu lesen, nämlich in mundgerechten Häppchen. Wir haben das Glück, dass wir bereits über ein fiktives Universum und eine Vielzahl an Charakteren und Welten verfügen, deren wir uns bedienen können.

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Einige dieser Geschichten sind kurz und süß und werden den Leserinnen und Lesern geradezu auf der Zunge zergehen. Andere wiederum sind schwerere Kost, wie ein exzellent zubereitetes Chateaubriand. Sie alle steuern einen Teil zu diesem HALO-Menü bei und haben jeweils ihren ganz eigenen Geschmack. Die verschiedenen Küchenchefs, die euch dieses Menü servieren, sind ausnahmslos Meister ihres Fachs. Dieser Band enthält Geschichten aus der Feder der Titanen der HALO-Fiction: Eric Nylund, Eric Raab, Tobias S. Bucknell, Robt McLees und Fred Van Lente. Und wir haben auch einige Newcomer im Angebot: Karen Traviss, die bereits ihre Spuren in der Star Wars-Fiction hinterlassen hat; Tessa Kum und Jeff Vandermeer arbeiteten über einen Ozean und eine Datumsgrenze hinweg zusammen an ihrer Story. B. K. Evenson, Jonathan Goff und Kevin Grace würzten das Ganze mit neuen Zutaten. Sogar ich war in der Küche mit von der Partie und habe etwas − hoffentlich – halbwegs Genießbares zustandegebracht. Die vorliegende Anthologie bietet eine Fülle verschiedener Speisen und hilft, die Zeit zu überbrücken, bis wir mit der regulären Romanreihe weitermachen, die mit Greg Bears neuer Blutsväter-Trilogie eine Fortsetzung findet. Aber ihr habt ja genug Kohldampf.

Bon appétit!

Frank O’Connor
Redmond, Washington
September 2009

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Jenseit

Es herrscht Erhabenheit hier,
jenseits der Vernunft,
jenseits der Erkenntnis.
Unermesslich in ihrer Tragweite.
Welch Wunder, die hinter jeder Ecke harren –
über jedem himmelstürmenden Gipfel
oder tief verborgen in den Schatten versunkener Täler.
Fragen entstehen,
in Erstaunen,
in Furcht,
ob man solche Herrlichkeit je ermessen kann,
die schon vergessen ist,
bereits verloren in der Zeit.
Verstreut in der Weite der Sterne.
Was sind wir dann?
Sind wir Menschen,
oder sind wir Ungetüme?
Im Licht der Erkenntnis, so unermesslich −
so weit jenseits.
Überragend, mehr noch, als wir erträumt.
Was kümmert dann noch unser kleinlicher Hader,
gemessen an unseren Sünden, die wir gesät haben?
Was kümmert dann noch unser Schicksal inmitten
des ewigen Kosmos?
Im Lichte HALOs, seines strahlenden Glanzes.

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Der Ausgestoßene
B. K. Evenson

Prolog

„Verrätst du mir deinen Namen?“, fragte Dr. Halsey. Sie machte keine Anstalten, sich vor dem Jungen hinzuknien oder zu lächeln oder sonst irgendetwas zu tun, um ihm näher zu kommen. Stattdessen blieb sie stehen, wobei ihre Haltung weder freundlich noch bedrohlich wirkte, sondern so neutral, wie es ihr irgend möglich war. Ihr Blick war ruhig, interessiert.
Der Junge sah sie von der anderen Seite des Zimmers aus an. Er war erst sechs, doch sein Blick war genauso gelassen wie der ihre, auch wenn vielleicht eine Spur von Skepsis in ihm zu erkennen war. Vollkommen verständlich, dachte Dr. Halsey. Wenn er wüsste, warum ich hier bin, wäre da mehr als bloß eine Spur von Argwohn. Seine Körperhaltung war so unverbindlich wie ihre, obwohl sein Verhalten darauf schließen ließ, dass sich das jeden Moment ändern konnte, ohne Vorwarnung.
„Sie zuerst“, sagte der Junge und verzog seinen Mund zu etwas, das gerade noch als Lächeln durchgehen konnte.
Seine Stimme war ruhig, so als wäre er daran gewöhnt, die Kontrolle über eine Situation zu haben. Also hatte er keine Angst. Nicht weiter überraschend, dachte Dr. Halsey. Falls der Bericht, den sie gelesen hatte, zutreffend war, hatte er es geschafft, nach dem Tod seiner Eltern auf sich allein gestellt beinahe drei Monate in den Äußeren Kolonien auf dem Planten Dwarka zu überleben – auf einer illegalen Farm inmitten eines Waldreservats, hundert Kilometer abseits von jeglicher Zivilisation. Unter solchen Bedingungen auf einer brutalen Welt am Leben zu bleiben, die noch immer terraformt wurde, war schon schwer genug. Doch dass das jemandem gelang, der kaum sechs Jahre alt war, war schier unglaublich.
„Ich kenne deinen Namen schon“, gab Dr. Halsey zu. „Du heißt Soren.“

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„Wenn Sie das wissen, warum haben Sie dann gefragt?“
„Ich wollte sehen, ob du ihn mir verrätst“, sagte sie und hielt inne. „Ich bin Doktor Halsey.“ Sie lächelte.
Soren erwiderte ihr Lächeln nicht. Jetzt sah sie mehr als nur eine Spur von Argwohn in seinem Blick, was sich in seinem Gesicht unter seinem strohgelben Haar und mit seinen blassblauen Augen sonderbar ausnahm. „Was für eine Art Doktor?“, fragte er.
„Ich bin Wissenschaftlerin“, sagte Dr. Halsey.
„Keine Pisch …, keine Pisch …“
„Nein“, antwortete sie und lächelte. „Ich bin keine Psychiaterin. Du warst schon bei vielen Psychiatern, nicht wahr?“
Er zögerte nur einen Moment, dann nickte er.
„Wegen des Todes deiner Eltern?“
Er zögerte wieder, nickte von Neuem.
Dr. Halsey warf einen Blick auf die holografischen Daten, die diskret auf der Innenseite ihrer Brillengläser angezeigt wurden. Allem Anschein nach war seine Mutter einer planetenspezifischen Krankheit erlegen, die sich leicht behandeln ließ, was jedoch einer Familie, die so weit draußen lebte, möglicherweise nicht bekannt gewesen war. Anstatt sich umgehend bei den Behörden auf dem Planeten zu melden, wie es das Gesetz verlangte, hatten Sorens Eltern die Symptome als die einer Grippe abgetan und weitergearbeitet. Einige Tage später war die Mutter tot und der Stiefvater krank. Soren war nicht erkrankt, vielleicht, weil sein Immunsystem sich besser an die Verhältnisse auf Dwarka angepasst hatte. Der Junge hatte die Leichen begraben – dies war der letzte Wunsch seines Stiefvaters gewesen –, und dann weiter in ihrem Farmhaus gelebt, bis die Vorräte nahezu aufgebraucht gewesen waren. Erst dann war er aufgebrochen, um zu Fuß hundertzwölf Kilometer blaugrauen Wald zu durchqueren, bis er schließlich auf die ersten Ausläufer autorisierten Ackerlandes gestoßen war.
War es richtig von ihr, ihn für ihr Spartaner-Team in Erwägung zu ziehen? Gewiss, Soren war intelligent und einfallsreich. Er war zäh und würde fraglos nicht so schnell aufgeben. Andererseits stellte sich die Frage, welche Auswirkungen es auf ein Kind hatte, eine solche Erfahrung durchleben zu müssen? Niemand wusste, wie traumatisiert der Junge war, und niemand vermochte mit Sicherheit zu sagen, wie sich das Erlebte auf ihn ausgewirkt hatte und es womöglich noch immer tat. Wahrscheinlich wusste das nicht einmal er selbst.

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„Weshalb sind Sie hier?“, fragte er.
Sie sah ihn an und überlegte. Es bestand kein Grund, ihm irgendetwas zu erzählen. Sie konnte einfach so verfahren, wie sie und Keyes es bei den anderen getan hatten, und die Entscheidung für ihn treffen, um ihn zu entführen und der Blitz-Klonprozedur zu unterziehen – zum übergeordneten Wohl, wie sie sich selbst einzureden angewöhnt hatte. Bei den anderen Kindern hatte sie jedoch meistens angenommen, dass sie ihre Motive nicht verstehen würden. Soren war jedoch ein elternloser Junge, der trotz des Umstands, dass er erst sechs Jahre alt war, schnell hatte erwachsen werden müssen, viel schneller als ihre anderen Rekruten. Konnte sie ihm mehr erzählen?
„Die Wahrheit ist“, sagte sie, „dass ich gekommen bin, um dich zu sehen.“
„Warum?“
Sie hielt seinem gelassenen Blick stand. Mit einem Mal traf sie ihre Entscheidung. „Ich versuche zu entscheiden, ob du der Richtige für etwas bist, woran ich gerade arbeite. Ein Experiment. Ich fürchte, ich kann dir nicht sagen, worum genau es dabei geht. Aber falls alles so klappt, wie wir hoffen, wirst du dadurch stärker und schneller und klüger, als du es dir überhaupt vorstellen kannst.“
Zum ersten Mal wirkte er ein wenig verwirrt. „Warum sollten Sie das für mich tun? Sie kennen mich ja nicht einmal.“
Halsey streckte die Hand aus, zerzauste Sorens Haar und war erfreut, als er nicht zurückschreckte oder vor ihr zurückwich. „Eigentlich tue ich das nicht für dich“, sagte sie. „Viel mehr darf ich dir nicht erzählen, aber es wird nicht leicht werden, und um ehrlich zu sein, wird es sogar das Härteste werden, das du jemals durchgemacht hast – sogar noch härter als das, was deinen Eltern widerfahren ist.“
„Und wie haben Sie sich entschieden?“, fragte er.
„Ich habe mir überlegt, dich die Entscheidung treffen zu lassen“, sagte sie.
„Was, wenn ich Nein sage?“
Sie zuckte die Schultern. „Dann würdest du hier auf Dwarka bleiben. Die Planetenbehörden würden dafür sorgen, dass du in ein Pflegeheim kommst.“ Keine besonders angenehme Alternative, dachte sie. Der arme Kerl sitzt zwischen Baum und Borke. Wieder fragte sie sich, ob es unfair von ihr war, dem Jungen die Wahl zu lassen.

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„In Ordnung“, sagte er und erhob sich.
„Was ist in Ordnung?“, fragte sie.
„Ich komme mit Ihnen. Wann brechen wir auf?“
Später, als sie wieder an Bord war, mit Keyes sprach und ihm das Video ihrer Unterhaltung mit Soren zeigte, fragte er: „Sind Sie sich in dieser Angelegenheit sicher?“
„Ich glaube schon“, sagte sie.
Keyes gab einen grunzenden Laut von sich.
„So sicher, wie ich mir bei der Auswahl jedes Einzelnen von ihnen bin“, sagte sie. „Zumindest hat er eine Ahnung davon, was auf ihn zukommt.“ „Das ist eine große Bürde für ein Kind“, meinte Keyes. „Selbst für eines, das schnell erwachsen werden musste.“
Sie nickte. Keyes hatte recht. Die Grundvoraussetzungen des als Soren bekannten Testobjekts unterschieden sich erheblich von denen der anderen – er nahm bei dem Programm von Anfang an eine Sonderstellung ein. Das durfte sie nicht vergessen und musste ein wachsames Auge auf ihn haben.

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Eins

Was weder Doktor Halsey noch Lieutenant Keyes wussten – und was sie auch niemals herausfinden sollten, da Soren, wenn auch erst sechs Jahre alt, klug genug war, es ihnen zu verschweigen –, war, was ihm in diesen drei Monaten der Einsamkeit wirklich widerfahren war. Das war etwas, woran Soren – oder Soren-66, wie man ihn fortan nennen würde – nur ungern zurückdachte. Es war schrecklich gewesen, als ihm klar wurde, dass seine Mutter tot war und dass der Grund für ihren Tod darin bestand, dass sein Stiefvater zu große Angst davor gehabt hatte, wegen seiner illegalen Farm ins Gefängnis zu wandern, um sie zu einem Arzt zu bringen, als sie erkrankte. Als sein Stiefvater schließlich zu der Überzeugung gelangt war, dass ihnen keine andere Wahl blieb, war es zu spät gewesen; seine Mutter war bereits verloren.
Gleichwohl, sein Stiefvater hatte sich geweigert, sich damit abzufinden. Er hatte den Leichnam seiner Frau in den Abstellraum geschafft und die Tür verriegelt. Soren hatte er gesagt, dass es nicht möglich sei, sie zu sehen, dass sie zu krank war und allein sein musste, um sich zu erholen. Das war einige Tage so weitergegangen, bis sein Stiefvater eines Nachts einige Gläser zu viel getrunken hatte. Soren stibitzte ihm den Schlüssel und schlich sich in den Abstellraum, um die Leiche seiner Mutter dort liegen zu sehen, auf einem Haufen flachgedrückter Kartons, ihre Haut straff und bleich. Sie roch schlecht. Er hatte in den Wäldern oft genug verendete Tiere gesehen und den penetranten Geruch der Verwesung wahrgenommen, um zu wissen, dass sie tot war.
Er weinte eine Weile und schlich sich dann wieder aus dem Raum, um die Tür sorgsam hinter sich zu schließen und zuzusperren, bevor er den Schlüssel in den Nachttisch seines Stiefvaters zurücklegte und sich wieder aus dem Schlafzimmer hinausstahl. Grübelnd saß er in der Küche und fragte sich, was er tun sollte. Sein Stiefvater war für den Tod seiner Mutter verantwortlich, das spürte er, und soweit es Soren betraf, sollte er dafür bezahlen. Allein der Gedanke daran ließ ihn erschaudern.
Diese Überlegungen hatten ihn dazu gebracht, von seinem Stuhl zu rut-

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schen und das schärfste Messer vom Küchentresen zu nehmen. Er wusste, dass es das schärfste war, weil seine Mutter ihm nie erlaubt hatte, es ohne ihre Aufsicht zu benutzen. Er musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um es greifen zu können. Das Messer war groß und schwer. Im Halbdunkel stand er da und beobachtete einen Augenblick lang, wie sich das fahle flackernde Licht auf der Klinge widerspiegelte, ehe er sich langsam auf den Weg zum Schlafzimmer machte.
Sein Stiefvater lag noch immer schlafend im Bett und stöhnte verhalten. Er stank nach Schnaps. Soren zog den Stuhl näher an das Bett heran und stellte sich darauf, um über seinem Stiefvater aufzuragen. So verharrte er, während er das Messer umklammert hielt und zu entscheiden versuchte, wie er den Mann umbringen sollte. Er wusste, dass er klein war, immer noch ein Kind, und dass er nur eine einzige Chance hatte. Der Hals, dachte er. Er würde das Messer schnell und tief hineinstechen müssen. Vielleicht würde das genügen. Er konnte sich auf seinen Stiefvater werfen und ihm zugleich in den Hals stechen, und dann, bevor sein Stiefvater irgendetwas tun konnte, würde er in den Wald hinauslaufen, nur für den Fall, dass er den Mann nicht getötet hatte. Flüchtig ging ihm der Gedanke durch den Kopf, dass es falsch war, so etwas zu tun, dass seine Mutter das nicht gutheißen würde, Doch wenn man praktisch in der Wildnis aufwuchs, am Rande des zivilisierten Universums, mit einem Mann, der illegal Getreide anbaute und dem Gesetz zutiefst misstraute, war es schwierig zu wissen, was richtig und was falsch war. Soren war wütend. Alles, was er wusste, war, dass seine Mutter tot war und dass dieser Mann daran die Schuld trug. Als er Jahre später an diesen Augenblick zurückdachte, wurde ihm bewusst, dass es Abstufungen zwischen richtig und falsch gab, die er damals unmöglich hatte verstehen können. Mit seinem Stiefvater war etwas definitiv nicht in Ordnung gewesen, mit seiner Unfähigkeit, sich dem Tod seiner Frau zu stellen, die ihn ihr Hinscheiden einfach hatte verdrängen lassen. Ja, es war falsch von ihm gewesen, sie beim ersten Anzeichen der Krankheit nicht in die Stadt zu bringen, doch sein Verhalten nach ihrem Tod war weniger ein Ausdruck der Bosheit und Gefühllosigkeit, sondern vielmehr ein Zeichen dafür gewesen, wie bekümmert und hilflos er gewesen war.
In diesem Moment jedoch war alles, was Soren wollte, dass derjenige, der für den Tod seiner Mutter die Verantwortung trug, dafür bezahlen sollte.

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Er wartete eine gefühlte Ewigkeit auf diesem Stuhl, während er mühsam das Gleichgewicht hielt und seinen Stiefvater beim Schlafen beobachtete, bis das erste Tageslicht in den Raum fiel. Dann wartete er noch ein wenig länger, bis sein Stiefvater sich streckte und im Schlaf herumrollte, wobei er seinen Hals völlig entblößte.
Soren sprang vor und stieß das Messer so fest nach unten, wie er konnte. Als die Klinge traf, drehte es sich ein wenig in seiner Hand, aber es drang an der beabsichtigten Stelle ein. Sein Stiefvater stieß ein gedämpftes Bellen aus und schlug wild um sich, doch Soren war längst vom Bett heruntergesprungen und lief zur Schlafzimmertür hinaus. Er war gerade im Begriff, die Haustür zu öffnen, als sein Stiefvater mit blutunterlaufenen Augen und schwankend auf der Schwelle zum Schlafzimmer auftauchte; der Griff des Messers ragte zwischen seinem Hals und seiner Schulter heraus, einige Zentimeter über dem Schlüsselbein. Sein Hemd war bereits blutgetränkt. Er brüllte, ein monströses Geräusch, wie von einem wütenden Ochsen. Endlich bekam Soren die Tür auf und stürmte in die klare Morgenluft hinaus, um im Wald zu verschwinden.
Als sein Stiefvater schließlich aus dem Haus kam – das Messer nicht mehr in seinem Fleisch, sondern in seiner Hand, die Wunde mit Bioschaum besprüht –, hatte Soren sich inmitten eines Gebüschs versteckt. Der Mann zog schauderhafte Grimassen und litt zweifellos starke Schmerzen.
„Soren!“, rief er. „Was ist los mit dir?“
Soren sagte nichts, sondern wich tiefer in das Gebüsch zurück. Sein Stiefvater machte sich auf die Suche nach ihm. Was auch immer los sei, behauptete der Mann, alle Probleme könnten geklärt werden, wenn Soren einfach herauskam und mit ihm sprach. Er ging ganz dicht an dem Gebüsch vorbei, so dicht, dass Soren das rasselnde Geräusch seines Atems hören konnte. Sein Stiefvater trat beinahe auf seine Hand, und dann drang er tiefer in den Wald vor, während er gelegentlich stehen blieb, um Sorens Namen zu rufen.

Sorens Pläne gingen nur bis hierher. Er hatte das Gefühl, nicht mehr ins Haus zurückkehren zu können, nicht jetzt, nachdem er versucht hatte, seinen Stiefvater zu töten. Aber wo sollte er hingehen? Sie waren hier mitten im Nirgendwo, etliche Meilen entfernt vom nächsten Nachbarn.
Die erste Nacht war schwierig und die Temperatur so niedrig, dass er immer wieder zitternd und mit klappernden Zähnen aufwachte. Auch

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hörte er ständig Geräusche, ohne sicher sein zu können, ob sie von seinem Stiefvater oder Tieren des Waldes herrührten – und falls Letzteres der Fall war, ob es sich nur um kleine Nager oder um ein größeres Tier handelte, das womöglich Fleisch fraß. Seine Mutter hatte ihn stets davor gewarnt, sich zu weit in den Forst hineinzuwagen. „Das ist nicht wie in den Parks zu Hause“, behauptete sie, „dort ist es nicht sicher.“
Soren erwachte, als der Morgen dämmerte – hungrig, müde und bis auf die Knochen durchgefroren. Er kroch zum Rand der Lichtung und beobachtete das Haus seiner Eltern, wobei er sich sorgsam in der Deckung der Büsche hielt. Der Junge fragte sich, ob er hineinschleichen und sich etwas zu essen beschaffen sollte. Als er sich gerade darauf vorbereitete, genau das zu tun, erhaschte er durch das Fenster einen flüchtigen Blick auf seinen Stiefvater, der hinausblickte und auf ihn zu warten schien.
Mit immer lauter knurrendem Magen zog er sich in den Wald zurück. Er wollte weinen, doch die Tränen kamen nicht. War es richtig von ihm gewesen, auf seinen Stiefvater einzustechen? Er war sich nicht sicher. Auf jeden Fall war sein Vorhaben gescheitert und hatte die Dinge noch verschlimmert. Er hätte sich einen besseren Plan zurechtlegen sollen oder sich zumindest darüber im Klaren sein müssen, was als Nächstes zu tun war. Soren gelangte zu dem Schluss, dass dies nicht die Zeit war, um zu weinen. Er musste sich seinen nächsten Schritt überlegen.
Das Wichtigste war, sich etwas zu essen zu besorgen. Er konnte sich nicht ins Haus begeben, um sich einige Nahrungsmittel zu holen – daran hätte er denken sollen, bevor er auf seinen Stiefvater einstach. Er hätte Lebensmittel aus dem Haus bringen und in den Wäldern verstecken sollen. Doch dafür war es jetzt zu spät. Er würde sich etwas einfallen lassen müssen.
Als Erstes versuchte er, ein Tier zu fangen, eines dieser zahnlosen, eichhörnchenartigen Viecher, die lautlos wie Geister um die Stümpfe und Stämme der Bäume herumhuschten. Doch schon nach wenigen Minuten wurde ihm klar, dass sie viel zu flink für ihn waren. Also setzte er sich auf den weichen Waldboden und verharrte reglos, um zu sehen, ob sie zu ihm kommen würden. Sie waren neugierig und näherten sich ihm, doch nie so weit, dass er sich eines schnappen konnte. Vielleicht konnte er eines töten, wenn er mit einem Stein darauf zielte. Er versuchte es, verfehlte jedoch immer wieder sein Ziel. Als er endlich eines der Tiere traf, stieß es ein wütendes Schnattern aus und sauste davon. Selbst wenn ich eins fange,

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wurde ihm mit einem Mal bewusst, wie will ich es braten? Ich habe nichts, um ein Feuer machen.
Aber was konnte er dann essen? Einige der Pflanzen waren genießbar – aber welche? Seine Familie hatte nie von den Früchten und Tieren des Waldes gelebt, sondern sich stets mit Fertigverpflegung ernährt.
Plötzlich trat er auf einen trockenen, brüchigen Ast und hörte es knacken, ehe zahllose Käfer aus dem Spalt hervorströmten und rasch im Unterholz verschwanden. Er wuchtete den Ast in die Höhe und sah entlang der Unterseite blassweiße Larven, Würmer, Tausendfüßler mit gewaltigen Scheren und orange-blau gepunktete Käfer. Vor den Käfern nahm er sich in Acht – wenn sie so auffällig bunt waren, war es beinahe sicher, dass mit ihnen irgendetwas nicht stimmte –, doch er probierte sowohl die Larven als auch die Würmer. Die Larven hatten einen nussartigen Geschmack, und es war in Ordnung, sie zu essen, solange er nicht zu genau darüber nachdachte, was er da zerkaute. Die Würmer waren ein bisschen schleimiger, doch er schaffte es, sie nicht wieder herauszuwürgen. Als mehrere Stunden verstrichen waren und er sich immer noch nicht krank fühlte, drehte er einige weitere umgestürzte Äste und dünne Baumstämme um und aß sich satt. Vor Einbruch der Nacht begann er zu experimentieren. Er entfernte sich ein Stück weiter vom Haus seiner Eltern und baute sich mehrere Betten aus den Blättern und Nadeln verschiedener Bäume. Erstaunt stellte er fest, dass eine Blattart auf seinem Handgelenk eine Reihe bedrohlicher, juckender roter Beulen hinterließ, sobald er diese Blätter berührte. Er prägte sich ein, wie sie aussahen, und mied sie von da an. Eines nach dem anderen probierte er die Betten aus, bis er herausfand, dass eines weicher und ein wenig wärmer war als die anderen. Zwar fror er nachts noch immer, aber zumindest zitterte er nicht mehr. Er fühlte sich alles andere als wohl, doch er ignorierte das und schaffte es sogar, einige Stunden zu schlafen.
Innerhalb weniger Tage hatte er ein gewisses Verständnis für das Leben im Wald entwickelt. Er wusste, wo er nach Raupen suchen konnte, wann er einen Baumstamm ein paar Tage lang in Ruhe lassen musste und wann er ihn wieder umdrehen konnte. Durch das Beobachten der Eichhörnchen lernte er, von welchen Beeren und Pflanzen er besser die Finger ließ. Andere probierte er. Einige waren bitter und bescherten ihm Bauchschmerzen, sodass er sie nicht wieder anrührte. Andere jedoch konnte man essen, ohne dass es einem später schlecht ging.
Er beobachtete seinen Stiefvater, wobei er sich in der Deckung der Bü-

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sche hielt. Früh am Morgen war er bereits da, um zu sehen, wie der Mann aus dem Haus kam und zum Getreide oder zu der Mühle ging, wo es zu weißem Pulver zermahlen wurde. Und auch abends war er da, um ihn im Auge zu behalten, so gut er konnte. Jedes Mal, wenn sein Stiefvater das Haus verließ, verriegelte er sorgsam die Tür. Soren hatte einige Male versucht einzubrechen, doch die Fenster waren solide, und so war ihm kein Erfolg beschieden.
Vielleicht sollte ich eine Falle bauen, dachte er. Etwas, in das sein Stiefvater hineintreten oder wo er hineinfallen würde, oder etwas, das auf ihn fiel und ihn zerquetschte. Ob er das fertigbrachte?
Er beobachtete weiter. Sein Stiefvater nahm jeden Tag denselben Weg zum Feld, einen geraden, direkten Trampelpfad, den seine Füße Tag für Tag tiefer in die Erde gegraben hatten. Sein Tagesablauf war vollkommen berechenbar. Der Pfad lag so frei, dass kaum eine Möglichkeit bestand, etwas darauf zu verstecken oder ein Loch zu graben, ohne dass der Mann es bemerkte. Auch standen die Bäume nicht dicht genug am Weg, um etwas von oben auf den Weg hinunterfallen zu lassen.
Vielleicht sollte es einfach nicht sein, versuchte Soren sich einzureden. Vielleicht sollte er seinen Stiefvater einfach vergessen und von hier verschwinden. Doch obwohl er sich das immer wieder sagte, ertappte er sich dabei, wie er Tag um Tag zurückkam, um das Haus anzustarren. Er wurde stärker. Sein junger Körper wurde schlank und fest, ohne ein Gramm Fett. Sein Gehör war schärfer geworden, und seine Augen waren jetzt so geübt, dass er die Spuren sah, wenn irgendetwas vor ihm über die Pfade gehuscht war, auf denen er sich bewegte. Wenn er sich sicher war, dass nichts und niemand ihn hören konnte, erzählte er sich selbst Geschichten, gemurmelte, geflüsterte Märchen, Abwandlungen der Abenteuer, die seine Mutter ihm erzählt hatte.
Als er mehrere Jahre später darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass er gefangen gewesen war. Es war ihm weder möglich gewesen, in sein Haus zu gehen, noch es gänzlich aufzugeben − als wäre er irgendwie daran gebunden gewesen, so wie ein an einem Pfosten angeketteter Hund. Möglicherweise wäre das ewig so weitergegangen.
Und tatsächlich ging es noch einige Zeit so weiter. Soren verwahrloste mit jedem Tag mehr, bis sich plötzlich etwas änderte. Eines Morgens kam sein Stiefvater heraus, und Soren konnte erkennen, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Er hustete bellend und ging vornübergebeugt – er war

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krank, stellte Soren mit einem flüchtigen Angstschauder fest, genau so, wie Sorens Mutter krank gewesen war. Sein Stiefvater ging leicht wankend zum Getreidefeld, doch er war offensichtlich völlig erschöpft, und gegen Mittag gab er auf und stolperte zum Haus zurück. Doch auf halber Strecke fiel er auf die Knie und blieb flach auf dem Bauch liegen, sein Gesicht in die Erde gedrückt, ein Bein zur Seite ausgestreckt. Eine ganze Weile lag er so reglos da. Soren nahm an, er müsse tot sein, doch plötzlich stieß sein Stiefvater einen zittrigen Atemzug aus und bewegte sich. Er kehrte jedoch nicht zum Haus zurück, sondern kroch zum Laster und versuchte, sich in das Fahrzeug hineinzuziehen.
Als ihm das nicht gelang und er in den Staub zurückfiel, stand Soren mit ausdrucksloser Miene ein kleines Stück von ihm entfernt.
„Soren“, sagte sein Stiefvater. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Soren sagte nichts. Er blieb einfach dort stehen, ohne sich zu bewegen. Um seinen Stiefvater zu beobachten. Und abzuwarten.
„Ich dachte, du bist tot“, sagte sein Stiefvater. „Das dachte ich wirklich. Andernfalls hätte ich weiter nach dir gesucht. Gott sei Dank, dass du hier bist.“
Soren verschränkte die Arme vor seiner schmalen Brust.
„Ich brauche deine Hilfe“, sagte sein Stiefvater. „Hilf mir in den Laster. Ich bin sehr krank und muss mir Medizin besorgen.“
Soren sagte noch immer nichts, sondern stand weiterhin reglos da und wartete, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Er lauschte den Bitten seines Stiefvaters, seiner zunehmenden Panik, gefolgt von Drohungen und weinerlichem Flehen. Schließlich verlor der Mann das Bewusstsein. Soren setzte sich auf den Boden und verharrte geduldig, um über den kranken Mann zu wachen, bis er zwei Tage später zu atmen aufhörte. Dann endlich griff er in die Tasche seines Stiefvaters, nahm die Schlüssel an sich und kehrte ins Haus zurück.
Es war keine leichte Aufgabe, seine Mutter aus dem Haus zu ziehen und sie zu begraben, doch am Ende schaffte er es. Seine Finger waren vom tagelangen mühsamen Graben mit Blasen und blutigen Wunden bedeckt. Auch seinen Stiefvater verscharrte er, jedoch nicht aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus, sondern weil er nicht wusste, was er sonst mit der Leiche machen sollte. In späteren Jahren redete er sich gern ein, dass er ihn

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beerdigt hatte, um zu beweisen, dass er nicht wie sein Stiefvater war, dass er menschlicher war, aber er konnte nicht sicher sagen, ob das wirklich der wahre Grund gewesen war. Soren begrub ihn dort, wo er hingestürzt war, direkt neben dem Laster, in einem Loch, das gerade tief genug war, um den Leichnam und den Aushub aufzunehmen, der daneben aufgetürmt war.
Einige Tage lang blieb er im Haus, aß sich genüsslich satt und sammelte neue Kraft. Als seine Vorräte zur Neige zu gehen begannen, gelang es ihm, den unsichtbaren Griff abzuschütteln, in dem das Haus ihn gefangen zu halten schien, und in den Wald hinauszugehen, um sich langsam auf den Weg in die Richtung zu begeben, von der er annahm, dass sich dort eine Stadt befand. Er war tage-, vielleicht wochenlang in den Wäldern und ernährte sich von Beeren und Raupen. Einmal schaffte er es sogar, mit einem gezielten Steinwurf ein Geisterhörnchen zu erlegen, dem er dann mit einem anderen, scharfkantigen Stein das Fell aufschlitzte, um das schwammige, bittere Fleisch darunter zu essen. Danach hielt er sich jedoch wieder an Beeren und Raupen.
Nach langen Tagen des Wanderns stieß er beinahe zufällig auf eine Spur, von der er wusste, dass sie nicht von einem Tier stammte, und folgte ihr. Einige Stunden später stand er am Rande einer kleinen Ortschaft, verblüfft darüber, wie die Leute ihn anstarrten, als er mit zerfetzten Kleidern aus dem Unterholz auftauchte, die Haut schmutzbedeckt. Die Art und Weise, wie sie mit vor Sorge verzerrten Gesichtern auf ihn zueilten, überraschte ihn.

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Zwei

Mit seinen Erfahrungen war das Leben im Spartaner-Lager auf Reach für Soren weit weniger herausfordernd als für viele der anderen Rekruten. Nachdem er allein in den Wäldern zurechtgekommen war, hatte er das Gefühl, allem gewachsen zu sein. Rasch fand er heraus, welche die beste Strecke durch einen Hindernisparcours war. Er konnte schnell in den Büschen oder im Unterholz untertauchen, wenn sie eine Patrouillenübung durchführten. Tarnung war für ihn eine Lebensart: Wenn er mit einer Gruppe unterwegs war, hielt er sich ebenfalls im Hintergrund, da er weder als einer der Anführer auffallen noch als Außenseiter betrachtet werden wollte. Ganz bewusst achtete er darauf, nicht aus dem anonymen Durchschnitt hervorzustechen.
Doch es gab Momente, in denen er Dr. Halsey bemerkte, die in einiger Entfernung dastand und ihn mit einem Gesichtsausdruck beobachtete, den er nicht zu deuten vermochte. Einmal, als er bereits fast elf Jahre alt war, sprach sie ihn sogar an, als er mit den anderen Kindern eine Übung absolvierte. Sie stand ganz in der Nähe, als er zögerte und überlegte, welchem Team er sich anschließen sollte. Er war sich nicht sicher, ob er damit Probleme hatte, weil sie ihn so prüfend musterte oder weil er stets bis zur letzten Minute wartete, bevor er seine Wahl traf. Doch ihre Gegenwart hatte dafür gesorgt, dass ihm das bewusst geworden war.
„Alles in Ordnung, Soren?“, fragte sie ihn mit einem Anflug von Sorge in der Stimme. Offiziell war er jetzt Soren-66 – eine scheinbar beliebige Zahl für die Rekruten, die ihnen vom Büro des Flottengeheimdienstes aus Gründen zugewiesen wurde, die man dort für sich behielt –, doch die Ärztin sprach ihn nie mit seiner Nummer an.
„Ja, Sir“, sagte er. Plötzlich wurde ihm klar, dass sie gar kein Sir war und nicht einmal eine Ma´am, und er errötete und sah sie schuldbewusst an. Er versuchte es mit: „Ja, Doktor?“
Sie lächelte. „Lass dich nicht von irrelevanten Informationen ablenken“, sagte sie und deutete auf die beiden Teams, die bereits zum Gefechtsplatz eilten. „Und erlaube vor allem nicht, dass man dich zurücklässt.“

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Erlaube nicht, dass man dich zurücklässt. Die Worte hallten nicht nur während der Übung, sondern auch noch lange Zeit danach in ihm wider. Dr. Halsey jedoch hatte sie wohl längst vergessen. Ihm wurde allmählich klar, dass etwas an ihm anders war, dass er über etwas verfügte, das die anderen Rekruten entweder nicht besaßen oder das zu zeigen sie sich nicht die Mühe machten. Was das betraf, so legte auch er es nicht darauf an, es zu zeigen. Während er heranwuchs, war er sorgsam darauf bedacht, niemanden etwas sehen zu lassen, das ihn zu etwas anderem, zu einem Außenseiter machen würde.
Als er sehr jung gewesen war, sechs oder sieben, war er unvorsichtiger gewesen. Er hasste es, sein Zimmer mit jemandem zu teilen, denn es fiel ihm außerordentlich schwer zu schlafen, wenn er die Geräusche und das Atmen seiner Mitbewohner hörte. Ihre Atemgeräusche erinnerten ihn an seinen Stiefvater. Manchmal wartete er, bis sie eingeschlafen waren, und schlüpfte dann lautlos aus seinem Bett, um sich darunter zu verstecken und in der klammen, muffigen Enge dicht an der Wand zu schlafen. Dort fühlte er sich sicherer. Als er jedoch eines Morgens verschlief und noch nicht in sein Bett zurückgekehrt war, bevor die anderen aufwachten, sorgte die Art und Weise, wie sie ihn hinterher ansahen, dafür, dass er sich weniger sicher fühlte. Nein, er würde das Spiel mitspielen müssen; würde lernen müssen, die Dinge zu tun, die all die anderen scheinbar von Natur aus beherrschten. Er wollte sich nicht so sehr einfügen, sondern anpassen.
Doch nach einer Weile kam es ihm nicht mehr so vor, als würde er nur so tun als ob. Viele Aspekte des Rekrutenlebens gefielen ihm. Er genoss die Herausforderung, sowohl die mentale als auch die körperliche. Da er weit abseits der Zivilisation aufgewachsen war, war er nie Leuten begegnet, die dieselben Dinge durchmachten wie er; manchmal – besonders wenn sie gemeinsam durch die Wälder jagten oder atemlos und stumm durch einen Graben voller Schlamm krochen – war es, als sei er von vielen anderen Versionen seiner selbst umgeben. Das war tröstlich. Tatsächlich fühlte er sich den anderen Rekruten stärker verbunden als jedem anderen Menschen, abgesehen von seiner Mutter. Und Dr. Halsey war das, was für ihn einer Mutter am nächsten kam, auch wenn sie oftmals weit weg war, häufig zu tun hatte. Dennoch hatte sie etwas an sich, zu dem er sich auf sonderbare Weise hingezogen fühlte.
Nichtsdestotrotz brauchte er noch Zeit für sich und ertappte sich immer wieder dabei, wie er Wege ersann, um allein loszuziehen oder – falls das

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nicht möglich war – vorübergehend eine Art Mauer zwischen sich und den anderen zu errichten in dem Versuch, mehr so zu denken, mehr so zu atmen, ja, mehr so zu sein, wie er wirklich war. Ihm wurde sehr früh bewusst, dass er es nie zum Anführer bringen würde. Er war nicht sonderlich kommunikativ, doch seine Instinkte waren gut ausgebildet, und er war willens und imstande, Befehle zu befolgen. Die anderen wussten, dass sie auf ihn zählen konnten. Mit der Zeit begann er, darin ein Gefühl der Bedeutung und einen Sinn für sein Leben zu sehen, und er fühlte sich besser als jemals zuvor. Er blieb am Ball. Und er ließ nicht zu, dass er zurückgelassen wurde.
Und doch wurde er immer wieder von der Vergangenheit heimgesucht. Manchmal, besonders spätnachts, konnte er nicht umhin, an das zu denken, was geschehen war, als er jünger gewesen war. Er wusste, dass das, was ihn anders sein ließ als seine Kameraden, damit zu tun hatte. Anfänglich war die Vergangenheit etwas, das er zu verdrängen oder zu vergessen versuchte, doch als er älter und reifer wurde, gerieten seine Gedanken diesbezüglich immer mehr in Widerstreit. In seinen frühen Teenagerjahren begann er, seinen Stiefvater weniger als Monster und mehr als jemanden zu sehen, der verängstigt und verwirrt gewesen war, als jemanden, der katastrophale Fehler beging, der aber nichtsdestotrotz menschlich war. Er kämpfte gegen diese Erkenntnis an, stieß sie von sich, doch sie brach immer wieder über ihn herein. Soren hatte seinen Stiefvater sterben sehen – es war so schnell gegangen; zwischen den ersten Symptomen und diesem sonderbaren Übergang vom Leben in den Tod war nur wenig Zeit verstrichen. Was in ihm die Frage aufkommen ließ, ob seine Mutter bei einer Krankheit, die so schnell voranschritt, wirklich hätte gerettet werden können.
Alles in allem war er weder der Beste noch der Schlechteste. Er war ein zuverlässiger Rekrut und Auszubildender, jemand, der zwar von seiner Vergangenheit heimgesucht wurde, aber sein Bestes tat, um sie endgültig hinter sich zu lassen. Vielleicht, dachte er, war das im Moment alles, worauf er hoffen konnte. Möglicherweise genügte das fürs Erste.

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Drei

Er war jetzt vierzehn und stand auf der anderen Seite von Dr. Halseys Schreibtisch stramm. Ihm fiel auf, dass ihr Gesicht verhärmt und angespannt wirkte, dass ihre Antworten ein wenig harscher als üblich ausfielen, als habe sie nicht genügend Schlaf bekommen oder als sei sie überarbeitet. Sie verbarg es gut, doch Soren, der selbst ein Fachmann war, wenn es darum ging, Dinge zu verbergen, bemerkte bei ihr all die Hinweise, die er in sich selbst zu unterdrücken lernte.
„Rühren“, sagte Dr. Halsey. „Bitte nimm Platz, Soren.“
„Vielen Dank, Ma´am“, sagte er und setzte sich mit einer knappen, fließenden Bewegung.
Sie murmelte leise vor sich hin und überflog eine Reihe elektronischer Dateien. Es handelte sich um Hologramme, deren Inhalt sie sehen konnte, die sich ihm aber nur als Bild einer kleinen Ziegelmauer darstellten, auf der ein Plakat von CPO Mendez prangte, der einen Finger gegen seine Lippen presste. Da hat jemand einen sonderbaren Sinn für Humor, dachte er.
„Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dir eine Frage stelle?“, fragte sie.
„Natürlich nicht, Ma´am“, sagte er.
„Dr. Halsey“, sagte sie. „Es besteht kein Anlass, mich älter klingen zu lassen, als ich bin. Erinnerst du dich noch an unsere erste Begegnung?“
„Ja“, sagte Soren. Es war kaum ein Tag vergangen, an dem er nicht an dieses Treffen und all das gedacht hatte, das dazu geführt hatte.
„Ich frage mich, Soren, ob du dich noch daran erinnerst, was ich zu dir gesagt habe: dass ich dir die Wahl gelassen habe.“
Soren runzelte kurz die Stirn, dann glätteten sich die Falten. „Sie meinen, ob ich mit Ihnen kommen oder auf Dwarka bleiben will? Oder war da noch etwas anderes?“
„Nein, genau das meine ich“, sagte sie. „Du warst damals noch so jung, dass ich nicht wusste, wie gut du dich später daran erinnern wirst. Wie fühlst du dich jetzt bezüglich der Wahl, die du getroffen hast?“

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„Ich bin froh, dass ich mich so entschieden habe“, sagte er. „Es war die richtige Wahl, Ma´am.“
„Ich dachte, wir hätten bereits darüber gesprochen, dass du mich nicht so nennen sollst“, sagte sie lächelnd. „Damals habe ich mich gefragt, ob es richtig ist, dich vor die Wahl zu stellen. Lieutenant Keyes stellte sich die gleiche Frage. Ob du nicht zu jung warst, um dir diese Bürde aufzuladen.“ „Bürde?“, fragte er.
Sie wischte die indirekte Frage mit einem Wink beiseite. „Egal“, sagte sie. „Der Grund, warum ich dich hierherkommen ließ, ist folgender: Ich möchte dich ein weiteres Mal vor eine Wahl stellen.“
Er wartete darauf, dass sie fortfuhr, doch einen Moment lang beließ sie es bei dem Gesagten und musterte ihn mit demselben unergründlichen Gesichtsausdruck, den er zuvor schon einmal bemerkt hatte, nämlich als er sie dabei ertappt hatte, wie sie ihn bei seinen Drills beobachtete. „Du bist noch immer sehr jung“, sagte sie.
Soren schwieg.
Dr. Halsey seufzte. „Du hast dich in der Ausbildung gut geschlagen, genau wie alle anderen. Allerdings ist die Ausbildung nur der erste Schritt. Wir stehen am Rande des zweiten Schritts. Möchtest du ihn machen?“
„Worum genau geht es dabei?“
„Ich kann dir nur Folgendes sagen“, erklärte Dr. Halsey. „Die Körper, die wir besitzen, sind imstande, lediglich gewisse Dinge zu tun, Soren. Deshalb wollen wir sie verbessern. Wir wollen deinen physischen Körper und deinen Verstand modifizieren, um ihre Leistungsfähigkeit über das normale menschliche Maß hinaus zu erhöhen. Wir wollen deine Knochen härter machen, deine Stärke steigern, deine Reflexe beschleunigen. Kurz, wir wollen dich zum perfekten Soldaten machen.“ Das Lächeln, das sich auf ihrem Gesicht ausgebreitet hatte, verblasste allmählich. „Allerdings wird es Nebenwirkungen geben. Einige davon kennen wir, andere können wir wahrscheinlich nicht vorhersehen. Und das Risiko, das dieser Prozess in sich birgt, ist beträchtlich.“
„Von welcher Art Risiko sprechen Sie?“
„Es besteht die nicht geringe Gefahr, dass du während der Verbesserung stirbst. Und selbst wenn du nicht stirbst, verbleibt ein großes Risiko, an Parkinson, dem Fletcher-Syndrom oder dem Ehlers-Danlos-

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Syndrom zu erkranken – oder durch die Deformation oder Atrophie deiner Muskeln und degenerativen Knochenschwund Schwierigkeiten zu bekommen.“
Er verstand nicht alles, was sie sagte, doch das Wesentliche begriff er. „Und falls es funktioniert?“
„Falls es funktioniert, wirst du stärker und schneller sein, als du dir vorstellen kannst.“ Sie legte ihre Finger vor sich zu einem Spitzdach zusammen und sah ihn darüber hinweg an. „Ich gebe dir eine Möglichkeit, die deine Kameraden nicht bekommen werden. Ich biete dir an, eine Wahl zu treffen, während man deinen Klassenkameraden nur sagen wird, dass sie sich zu der Prozedur melden sollen.“
„Warum ich?“, fragte Soren.
„Wie bitte?“
„Warum bin ich derjenige, der eine Wahl treffen darf? Warum keiner von den anderen?“
Sie wandte ihren Blick dem Schreibtisch vor sich zu; ihre Stimme klang jetzt abwesend, so, als würde sie zu sich selbst sprechen statt zu dem Jungen. „Die Spartaner sind ein Experiment“, sagte sie. „Bei jedem kontrollierten Experiment braucht man einen Probanden, der sich von den anderen unterscheidet. Das versetzt einen in die Lage, den Fortschritt der größeren Gruppe zu beurteilen. Du bist dieser Proband, Soren.“
„Wir sind also ein Experiment“, sagte er mit tonloser Stimme, ohne sie dabei anzuschauen.
„Ich will dich nicht belügen. Genau das seid ihr, und du … du bist ein Experiment innerhalb eines Experiments. Die Ausnahme von der Regel“, sagte sie.
„Warum ich?“, fragte er von Neuem. „Sie hätten jeden von uns aussuchen können.“
Sie zuckte die Schultern. „Ich weiß es nicht, Soren. Es hat sich einfach so ergeben.“
Er schwieg eine Weile, starrte vor sich hin, versuchte, sich im Geiste auf das alles einen Reim zu machen. Schließlich schaute er auf.
„Ich will es tun“, sagte er.
„Du tust es?“, sagte Dr. Halsey. „Obwohl du die Risiken kennst?“
„Ja“, sagte er und fügte dann hinzu: „Ich will nicht zurückgelassen werden.“

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Sonderbar, dachte Dr. Halsey, nachdem Soren den Raum verlassen hatte. Was hatte er damit gemeint, als er sagte, er wolle nicht zurückgelassen werden? Wo hatte sie das schon einmal gehört?
Sie schüttelte den Kopf. „Déjà“, sagte sie, „ich nehme an, du hast alles mit angehört?“
„Natürlich, Dr. Halsey“, antwortete die sanfte Stimme der KI. Das Hologramm auf dem Schreibtisch neben Dr. Halsey erwachte flackernd zum Leben. Speziell für das Spartaner-Projekt entworfen, zeigte ihr selbst gewähltes Konstrukt eine griechische Göttin, barfuß, mit einer Tontafel in den Händen.
„Irgendwelche Anmerkungen dazu?“
„Ist das eine rhetorische Frage?“, fragte Déjà. Als Dr. Halsey nichts darauf erwiderte, fuhr sie fort. „Sie haben ihm nicht alles erzählt.“
„Nein“, sagte Dr. Halsey. „Das habe ich nicht.“
„Es wäre nachlässig von mir, nicht darauf hinzuweisen, dass Sie als Alleinverantwortliche für die intellektuelle Entwicklung der Spartaner ihm fehlerhafte Informationen darüber gegeben haben, wozu eine Kontrollgruppe in einem wissenschaftlichen Experiment im Allgemeinen dient.
Die Kontrollgruppe ist für gewöhnlich die Gruppe, die nicht denselben Bedingungen ausgesetzt wird wie die anderen –“
„Das weiß ich, Déjà“, sagte Halsey und schnitt ihr damit das Wort ab.
Déjà nickte knapp. „Überdies wäre es ebenso nachlässig von mir, nicht darauf hinzuweisen, dass Soren-66 außerordentlich intelligent ist und mit einiger Sicherheit erkannt hat, dass die Gründe, weshalb Sie ihm angeblich die Wahl lassen, falsch waren.“
„Und was waren meine wahren Gründe dafür?“, fragte Dr. Halsey.
„Ich weiß es nicht“, sagte Déjà. „Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich darüber ebenso verwirrt bin wie Sie.“
Dr. Halsey nickte.
„Aber ich hege eine Vermutung“, fuhr Déjà fort. „Da ich Sie so gut kenne, wie ich es tue, würde ich sagen, dass es ein Weg war, Ihr eigenes Gewissen zu beruhigen. Sie wollten es ihm einfach erzählen. Ja, Sie wollten es einem von ihnen erzählen und sehen, ob auch nur ein Einziger diese Entscheidung aus freien Stücken trifft.“
Dr. Halsey seufzte. „Ja“, sagte sie. „Da hast du vielleicht recht. Danke, dass du so ehrlich zu mir bist, Déjà.“

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„Es besteht kein Anlass, mir zu danken. Ich kann nicht anders“, sagte Déjà. „So bin ich programmiert.“
Dr. Halsey fuhr mit ihrer Hand über das Hologramm, und es verschwand.
Sie lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Ich habe ihm eine Bürde auferlegt, mit der er jetzt leben muss, dachte sie. Ich habe ihn seine eigene Entscheidung treffen lassen, aber Déjà hat recht. Die Bürde der Verantwortung habe ich ihm selbst übertragen, für den Fall, dass irgendetwas schiefgeht. Einem Kind! Einem Kind, das nun meine Sünden trägt.
Hoffen wir, dass nichts schiefläuft.

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